„Frankfurt ist ein abschreckendes Beispiel“

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Screenshot © by Das Erste. Klick auf das Bild führt zum Video.

„Fehlender Wohnraum, steigende Mieten – wird Wohnen zum Luxus?“ fragte Beckmann am Donnerstagabend (30.01.2014) in seiner Sendung im Ersten.

Erschwinglicher Wohnraum wird immer knapper, immer mehr Investoren drängen auf den Wohnungsmarkt und betrachten Immobilien ausschließlich als Geschäft. Verlierer sind hierbei besonders kinderreiche Familien, Alleinerziehende und Senioren, die sich aufgrund von zahlreichen Luxussanierungen eine Bleibe in ihrem vertrauten Stadtviertel nicht mehr leisten können. Nach dem aktuellen Beispiel im hr-Fernsehen zu Dieter Wolf aus dem Frankfurter Nordend, war mit Ulrike Hegmann gestern Abend bei Beckmann ein weiteres Beispiel aus Frankfurt zu diesem Thema im Fernsehen. Die Rentnerin musste aufgrund explodierender Mietpreise in Frankfurt-Sachsenhausen nach über vier Jahrzehnten ihre Wohnung aufgeben und war daraufhin anderthalb Jahre auf Wohnungssuche.

Ebenfalls zu Gast in der Sendung waren Katrin Rothe, Filmemacherin aus Berlin, Dr. Carsten Brückner, Vorstand des Eigentümerverbandes Haus & Grund und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Wolfgang Büser, Journalist und Mietrechtsexperte und Dr. Wolfgang Thierse, ehemaliger Bundestagspräsident.

Junge Leute ziehen in die Stadt, besonders in Gegenden mit günstigen Wohnraum, beleben diesen Bezirk und irgendwann zieht es auch die ersten Besserverdiener hin und verdrängen peu à peu die bisherigen Anwohner. Carsten Brückner entgegnet diesem gängingen Bild der Gentrifizierung (← immer noch unfassbar geiles Video!) damit, dass doch auch diese jungen Leute, die einst dorthin zogen, irgendwann mal gutes Geld verdienen und weiterhin dort wohnen bleiben möchten. Somit handele es sich vielmehr um eine Bindung der Bevölkerung und nicht etwa um eine Verdrängung. Nun ja, was soll er auch anderes sagen, als Vorstand eines Eigentümerverbandes. Festzuhalten bleibt, dass der Wohnraum weiterhin in die Höhe getrieben wird und es eben nicht der Standard ist, dass sich das mal eben jeder leisten kann. Ob da jetzt jemand ganz neu hinzieht oder „schon“ vor einigen Jahren dorthin gezogen ist, ändert ja nichts am grundsätzlichen Problem, nämlich dass Wohnraum immer teurer wird. Mal abgesehen davon, dass wenn von Verdrängung der bisherigen Bewohner die Rede ist, eigentlich die Alteingesessenen gemeint sind und nicht die, die hier vielleicht mal vor max. zehn Jahre hergezogen sind. Nice try.

Für Ulrike Hegmann ist dieses Beispiel aber sowieso nicht auf Frankfurt übertragbar:
„Frankfurt ist anders, Frankfurt ist die Bankenstadt und die Stadt mit Geld. Da kommen einfach viele junge Leute hin, die da Karriere machen oder die Karriere anschubsen und nach ein paar Jahren sind die weg, die können sich in der Zeit die teuere Miete leisten, aber die prägen doch nicht den Stadtteil, die sind nur einfach da…“ Dr. Wolfgang Thierse ergänzt: „Frankfurt ist ein abschreckendes Beispiel und ich hoffe Berlin wird nicht so.“

Auch wenn das Wort Gentrifizierung meines Erachtens mittlerweile etwas zu inflationär genutzt wird, nicht jeder Neu- und Umbau und privater oder gewerblicher Mieterwechsel ist zugleich Gentrifizierung, lohnt es sich, diese Sendung anzuschauen, da in über 70 Minuten Laufzeit mit interessanten Themen wie Mietpreisbremse, Mieter- und Milieuschutz, sozialer Wohnungsbau, Wohnungsknappheit, Billigghettos wie in London und Paris, durchmischte Städte, Gentrifizierung und sozialer Zusammenhalt in einer Stadt ein guter Überblick zur aktuellen Wohnsituation in den Städten geschaffen wird.

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2 Antworten zu „Frankfurt ist ein abschreckendes Beispiel“

  1. Little B. schreibt:

    Also, wer schon mal in Hamburg gelebt hat, der weiß, was Getrifizierung heißt. Und wenn ich die Freunde aus Berlin höre, dann bin ich froh hier in dieser beschaulichen kleinen Großstadt zu wohnen. Als ob Thierse hier schon gewohnt hätte.

    • stadtkindFFM schreibt:

      Nun ja, ich lebe schon immer in Frankfurt und weiß auch was Gentrifizierung heißt. Ob das irgendwo anders schlechter, oder auch denkbar, besser, ist, spielt dabei de facto keine Rolle, weil Vergleiche doch oftmals hinken.
      Die Bemerkung von Thierse habe ich so verstanden: Carsten Brückner, schildert eine bestimmte Situation und Frau Hegmann verweist daraufhin jedoch auf die Besonderheit Frankfurts, welche Thierse als „abschreckend“ aufgreift. In Berlin scheint es wohl eher um eine Come and stay-, statt einer Come and go-Situation wie in Frankfurt zu gehen, die den Gentrifizierungsprozess vorantreibt.

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