Frankfurt darf nicht München werden

Ein Mehrfamilienhaus in Frankfurt soll saniert werden. Die Kosten für die dortigen Wohnungen werden dann „angepasst“, wie so üblich für Frankfurt und besonders dem Stadtteil Nordend. Dieter Wolf, ein Bewohner des betroffenen Hauses, zeigt allerdings kein Interesse an Veränderungen seiner Wohnsituation, zumal er für vergleichbares Geld auch keine neue Wohnung finden wird, allenfalls im „feindlichen Ausland, in Offenbach“.

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Ich begrüße seine Einstellung, wünsche ihm Durchhaltevermögen und finde, es sollte viel mehr solcher Bewohner geben, die nicht mal eben so ihre Bleibe aufgeben, unabhängig der individuellen finanziellen Möglichkeiten. Zugegeben, meine Sympathie für das Gebaren von Investoren und Hauseigentümern, unabhängig des etwas einseitigen Fernsehbeitrags, hält sich in Grenzen, ebenso für die Yuppies oder Bonzen, die sich in solchen luxussanierten Wohnungen niederlassen werden. Grund hierfür ist, dass die Aufwertung eines Straßenzugs oder Stadtviertels immer auch gleichbedeutend ist mit steigenden Kosten für Wonraum und somit sehr oft zur Verdrängung der alteingessesen Bewohnern führt.

Abschließend, weil nicht ganz unpassend, ein kurzes Video von Harry G zum Thema Gentrifizierung. In diesem Sinne: Frankfurt darf nicht München werden.

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5 Antworten zu Frankfurt darf nicht München werden

  1. tikerscherk schreibt:

    Ist Frankfurt nicht auch jetzt schon unglaublich teuer geworden?
    Wann immer ich nach einer Wohnung schaue, weil ich gerne irgendwann wieder zurück kehren würde, sehe ich, dass ich mir das niemals werde leisten können.
    Das ist echt bitter.
    ich erinnere mich noch gut, als die Berger Straße und die Ecke rund um den Merianplatz eine superbillige Wohngegend war.
    Mit der EZB steigen die Preise schon wieder.
    Ich hoffe, es gibt möglichst viele Leute, die sich der Entwicklung widersetzen.

  2. Carmen schreibt:

    Ich habe den Bericht im Hessischen Rundfunk über die Sanierung des Hauses und den Widerstand von Dieter Wolf gesehen. Als ich vor über 25 Jahren nach Frankfurt zog, hab ich in einer WG in einem der Nachbarhäuser in der Martin-Luther-Straße gewohnt. Das war auch so ein schöner Altbau, seit Jahrzehnten unsaniert und noch mit Kohleöfen beheizt. Letzeres war auch der Grund für meinen baldigen Auszug.

    Auf die Gefahr hin, dass ich dafür geschlagen werde: All diese Altbauten müssen doch irgendwann mal in Schuss gebracht werden und das kostet richtig viel Geld. Neue Wasserrohre, wenn die alten aus Blei sind, neue Heizungen, neue Elektrikleitungen. Ich rede hier nicht der Gentrifizierung das Wort, aber wer soll das bezahlen? Ist denn der Verfall dieser schönen Altbauten die bessere Alternative?

  3. tikerscherk schreibt:

    Krass! 14000 € pro Quadratmeter. Das ist pervers.

  4. stadtkindFFM schreibt:

    Letztlich geht es um bezahlbarem Wohnraum und ich befürworte eine Lösung, die keine homogenen Bewohnerstrukturen fördert, so wie es z.B. durch hochpreisigen Wohnraum entsteht, Komplett-Neubaugebiete ausgenommen. Offenbar reichen heutzutage normale Renovierungen nicht mehr aus und alles wird gleich von Kern auf (luxus)saniert. Fälle wie der hier Gezeigte sind kein Einzelfall und ich begrüße die Öffentlichkeit zu diesem Thema, so dass man z.B. auch mal eine Vorgeschichte zu all den schnieken Immobilien-Prospekten, die hier regelmäßig im Briefkasten landen, zu sehen bekommt.

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